Abstillen: Tipps rund um den richtigen Zeitpunkt & wie du dein Baby sanft abstillst

Wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Abstillen?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys bis zum sechsten Monat ausschließlich zu stillen. Anschließend kann Beikost eingeführt werden, während das Stillen nach Bedarf bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus fortgesetzt wird. Diese Empfehlung bietet eine fachliche Orientierung, bedeutet aber nicht, dass es ein bestimmtes Abstillalter gibt. Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, hängt deshalb von eurer persönlichen Situation ab. (Still-Lexikon: Empfehlungen der WHO für die Ernährung gestillter Kinder, 2023)
Manche Kinder verlieren mit der Zeit von selbst das Interesse an der Brust, bei anderen geht der Wunsch nach dem Abstillen von der Mutter aus. Entscheidend ist nicht, wie lange andere stillen, sondern dass das Abstillen zu dir und deinem Baby passt.
„Was mich und meine Stillbeziehung zu den Kindern stark beeinflusst hat, war das ständige Einmischen in meinem Umfeld dazu, wie lange ein Kind gestillt werden sollte. […] Gleichzeitig merkte ich aber, wie sehr mein Kind es zur Beruhigung brauchte und dass Abstillen für uns zu der Zeit einfach keine Option war.“
Eltern-Erfahrungsbericht aus dem Ehrenkind-Team

Wie lange stillt man ab?
Wie lange das Abstillen dauert, lässt sich nicht pauschal beantworten. Manche Familien benötigen nur wenige Wochen, andere mehrere Monate. Manche Kinder verzichten mit der Zeit von selbst auf einzelne Stillmahlzeiten, andere möchten in bestimmten Situationen – etwa wenn sie krank sind oder Trost suchen – vorübergehend wieder häufiger an die Brust. Deshalb verläuft das Abstillen oft nicht geradlinig, sondern in kleinen Schritten und manchmal auch mit Phasen, in denen ihr einen Schritt zurückgeht. (Gemeinschaftspraxis der Kinder- und Jugendärzte: Stillratgeber)
Wie kannst du sanft abstillen?
Möchtest du aktiv abstillen, empfehlen Fachleute, die Stillmahlzeiten nach und nach zu reduzieren, statt von heute auf morgen aufzuhören. So haben dein Baby und dein Körper Zeit, sich an die Veränderung zu gewöhnen, und auch deine Milchproduktion kann sich schrittweise anpassen. Das verringert das Risiko für Spannungsgefühle oder einen Milchstau. (Gemeinschaftspraxis der Kinder- und Jugendärzte: Stillratgeber)
So gelingt das Abstillen
Folgende Tipps können den Übergang erleichtern:
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Eine Stillmahlzeit nach der anderen ersetzen: Beginne mit einer Mahlzeit, auf die dein Baby am ehesten verzichten kann. Erst wenn sich diese Veränderung eingespielt hat, reduzierst du die nächste Stillmahlzeit.
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Deinem Baby Zeit geben: Manche Kinder akzeptieren neue Routinen schnell, andere brauchen länger. Nicht jeder Schritt gelingt sofort, das ist beim Abstillen ganz normal.
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Die Brust nur bei Bedarf entleeren: Spannt deine Brust durch den neuen Rhythmus unangenehm, solltest du nur so viel Milch ausstreichen oder abpumpen, bis das Druckgefühl nachlässt. So kann sich die Milchmenge allmählich anpassen.
(Luzerner Kantonsspital: Natürliches Abstillen, 2016)

Abstillen bedeutet jedoch nicht nur, Stillmahlzeiten zu ersetzen. Gerade ältere Babys und Kleinkinder stillen häufig auch, um Nähe, Trost oder Geborgenheit zu finden. Kuscheln, gemeinsames Vorlesen, Singen oder andere vertraute Rituale können deinem Kind helfen, sich auch ohne die Brust sicher und begleitet zu fühlen. (Carolin Schallhammer, Still- und Laktationsberaterin IBCLC: Abstillen – wie kann ich mein Kind achtsam begleiten? In: Still-Lexikon)
"Beim Abstillen klappt bei uns die ‚langsame Methode‘ ganz gut. Also stückweise reduzieren – nicht mehr draußen stillen, dann nicht mehr zum Trösten, beim Einschlafen nur am Anfang etwas trinken und dann alleine einschlafen. […] Und durch andere Rituale ersetzen. Auch Ausnahmen machen, wenn es mal krank ist. Ist gefühlt für mich und auch fürs Kind stressfreier."
Eltern-Erfahrungsbericht aus dem Ehrenkind-Team
Was tun, wenn du schnell abstillen musst?
Manchmal lässt sich ein abruptes Abstillen nicht vermeiden, etwa wegen einer notwendigen Medikamenteneinnahme, einer Erkrankung oder anderer medizinischer Gründe. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass du dauerhaft abstillen musst. Je nach Ursache kann es möglich sein, die Milchbildung vorübergehend aufrechtzuerhalten und dein Baby später weiterzustillen. Deshalb solltest du dich zunächst von deiner Hebamme, einer Stillberaterin oder deiner behandelnden Ärztin bzw. deinem behandelnden Arzt beraten lassen.
Musst du tatsächlich plötzlich mit dem Stillen aufhören, solltest du deine Brust mit der Hand oder einer Pumpe nur so weit entleeren, bis das Druckgefühl nachlässt. Treten dabei starke Schmerzen, Rötungen oder Fieber auf, solltest du zeitnah ärztlichen Rat oder deine Hebamme kontaktieren.
Auch wenn das Abstillen ungeplant erfolgt, darfst du dir Zeit geben, die Situation zu verarbeiten. Viele Mütter empfinden ein plötzliches Abstillen als emotional belastend. Nähe, Kuscheln und gemeinsame Rituale können deinem Baby in dieser Zeit weiterhin Sicherheit und Geborgenheit geben. (Europäische Laktationsberaterinnen Allianz: Plötzliches Abstillen – eine schwierige Situation aktiv gestalten, 2017)

Nachts nicht mehr stillen und dein Kind von der Brust entwöhnen
Das nächtliche Abstillen fällt oft besonders schwer. Für viele Babys bedeutet das Stillen nachts nicht nur Nahrung, sondern auch Nähe, Geborgenheit und Unterstützung beim Wiedereinschlafen. Umso wichtiger ist es, euch Zeit für den Übergang zu geben und neue Einschlaf- und Beruhigungsrituale behutsam einzuführen.
Folgende Tipps können das Abstillen für Mutter und Kind nachts erleichtern:
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Schrittweise vorgehen: Reduziere nicht alle nächtlichen Mahlzeiten auf einmal, sondern beginne mit einer Situation, in der dein Baby am ehesten auf das Stillen verzichten kann.
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Neue Einschlafrituale einführen: Kuscheln, gemeinsames Singen oder eine ruhige Abendroutine können deinem Kind helfen, auch ohne Stillen zur Ruhe zu kommen.
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Den Partner einbeziehen: Manchen Familien hilft es, wenn der andere Elternteil das Kind nachts begleitet. So lernt dein Baby, auch ohne Stillen wieder einzuschlafen.
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Geduldig bleiben: Gerade in Entwicklungsphasen, bei Krankheit oder während des Zahnens kann dein Baby vorübergehend wieder häufiger nach der Brust verlangen.
Nicht jedes Kind ist zum gleichen Zeitpunkt bereit für das nächtliche Abstillen. Wichtig ist, dass ihr einen Weg findet, der sich für euch beide stimmig anfühlt und sowohl die Bedürfnisse deines Kindes als auch deine eigenen berücksichtigt. (Still- & Trageberatung Susanne Grabner: Nächtliches Abstillen – Sanft und achtsam die Stillzeit beenden)

Wie vermeidest du einen Milchstau beim Abstillen?
Während des Abstillens kann es vorübergehend zu einem Milchstau kommen. Um Beschwerden möglichst zu vermeiden, solltest du auf erste Spannungsgefühle achten und die Milchproduktion nicht unnötig anregen.
Viele Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung eines Milchstaus gelten auch während des Abstillens. Ausführliche Tipps dazu erfährst du in unserem Ratgeber über Stillprobleme. Ein wichtiger Unterschied beim Abstillen ist jedoch: Die Brust sollte nur so weit entleert werden, bis das Spannungsgefühl nachlässt. Vollständiges Abpumpen oder Ausstreichen regt die Milchbildung erneut an.
Halten die Beschwerden an oder kommen Fieber, starke Schmerzen oder eine gerötete Brust hinzu, solltest du deine Hebamme oder ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. (La Leche Liga Deutschland e. V.: Milchstau und Brustentzündung, 2013)

Brauchst du Medikamente zum Abstillen?
In den meisten Fällen sind Medikamente zum Abstillen nicht notwendig. Beim schrittweisen Abstillen reguliert sich die Milchbildung in der Regel von selbst.
Medikamente, die die Milchproduktion hemmen, kommen heute nur noch in bestimmten medizinischen Situationen zum Einsatz, etwa wenn direkt nach der Geburt nicht gestillt werden kann oder darf. Ob eine medikamentöse Unterstützung für dich sinnvoll ist, sollte deshalb immer gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt entschieden werden. (Klinikum Wels-Grieskirchen: Informationen für nicht stillende Mütter, 2023)

Milch oder Beikost: Was bekommt das Baby nach dem Abstillen?
Mit dem Abstillen verändert sich auch die Ernährung deines Babys. Welche Nahrung nach dem Abstillen geeignet ist, richtet sich vor allem nach dem Alter deines Kindes. Ob weiterhin Milch benötigt wird oder Beikost die Stillmahlzeiten ersetzt, hängt davon ab, wie weit sich dein Baby bereits entwickelt hat.
Was ersetzt die Muttermilch?
Fällt die Entscheidung zum Abstillen vor der Beikosteinführung, bleibt Milch die wichtigste Nahrung. In diesem Fall eignet sich Pre-Nahrung, da sie alle wichtigen Nährstoffe für Säuglinge enthält und während des gesamten ersten Lebensjahres gefüttert werden kann.
Bekommt dein Baby bereits Brei, müssen Stillmahlzeiten nicht automatisch durch eine Flasche ersetzt werden. Je nachdem, welche Beikostmahlzeiten bereits eingeführt wurden, können diese nach und nach die Mahlzeiten ablösen. Mit zunehmendem Alter werden immer mehr Stillmahlzeiten durch Beikost und später Familienkost ersetzt. (Direction de la santé Luxembourg: Ernährung des Säuglings, 2022)
In unserem Ratgeber zur Beikost erfährst du, wann welche Beikostmahlzeiten empfohlen werden und wie der Übergang zur Familienkost gelingt.

Was, wenn du früher abstillen möchtest oder nicht stillen kannst?
Nicht jede Mutter kann oder möchte stillen. Manche entscheiden sich bewusst dagegen, bei anderen machen es gesundheitliche oder persönliche Gründe notwendig, das Stillen zu beenden. Benötigt dein Baby weiterhin Milch, hängt die passende Säuglingsnahrung von seinem Alter und Entwicklungsstand ab. (Direction de la santé Luxembourg: Ernährung des Säuglings, 2022)
Auch beim Füttern mit der Flasche entstehen Nähe und Bindung. Liebevoller Blickkontakt, Körperkontakt und gemeinsame Kuschelmomente fördern eure Beziehung ebenso wie das gemeinsame Füttern. Entscheidend ist nicht, ob dein Baby gestillt oder mit der Flasche ernährt wird, sondern dass es sich sicher, geborgen und gut versorgt fühlt.
Wenn du unsicher bist, welche Ernährung für dein Baby passend ist, oder Fragen zum Abstillen hast, können dich deine Hebamme oder deine Kinderärztin bzw. dein Kinderarzt individuell beraten.
„Meine Mama hat sich bewusst dazu entschieden nicht zu stillen, weil sie den Gedanken super unangenehm findet. Ich war Frühchen und an meinem Brutkasten stand ein großes Schild mit ‚Mutter will nicht stillen‘ und ihr wurde im Krankenhaus auch regelmäßig ein schlechtes Gewissen gemacht. […] Mein Bruder und ich sind trotzdem gesund erwachsen geworden und keiner von uns hat irgendwelche Allergien oder sonst was.“
Eltern-Erfahrungsbericht aus dem Ehrenkind-Team

Probleme beim Abstillen? Wann du dir Unterstützung holen solltest
Das Thema Abstillen verläuft bei jeder Familie unterschiedlich. Wenn Fragen oder Unsicherheiten aufkommen, musst du diesen Weg nicht allein gehen. Deine Hebamme, eine Stillberaterin oder deine kinderärztliche Praxis können dich dabei unterstützen, eine Lösung zu finden, die zu dir und deinem Baby passt.
Hole dir Unterstützung, wenn
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das Abstillen für dich oder dein Baby sehr belastend ist,
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Beschwerden wie starke Schmerzen, Fieber oder eine gerötete Brust auftreten,
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dein Baby nach dem Abstillen nicht ausreichend trinkt oder zunimmt,
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du unsicher bist, welcher Weg beim Abstillen für euch der richtige ist.
Disclaimer: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen stellen keinen Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Ehrenkind schließt jegliche Haftung für Entscheidungen, die auf Basis dieser Information getroffen werden, aus. Die Angaben sollen ausschließlich zur allgemeinen Information dienen und keinen Ersatz für eine persönliche ärztliche Beratung darstellen. Die Urheberrechte aller Inhalte liegen bei der Ehrenkind GmbH. Alle Rechte vorbehalten.